Visionäre von heute – Gestalter von morgen. Ein Buch über Ärmel hochkrempeln und Anpacken

Tobias Loitsch, Leiter des NeuInstituts für Technologie in Wirtschaft und Gesellschaft, im Gespräch mit Dr. Alexandra Hildebrandt, Publizistin, Nachhaltigkeitsexpertin und Wirtschaftspsychologin.

Tobias Loitsch: Im September 2018 erscheint beim Verlag SpringerGabler das von Ihnen und dem Unternehmer Werner Neumüller herausgegebene Buch „Visionäre von heute – Gestalter von morgen“. Wie ist die Idee dazu entstanden? Gab es bestimmte Begebenheiten oder Situationen, die zur Gedankenfindung beigetragen haben?

Visionäre von heute - Gestalter von morgen. Inspirationen und Impulse für Unternehmer

Cover mit Titelfoto von: Nicole Simon

Alexandra Hildebrandt: Das Buch ist – auch wenn es sich seltsam anhören mag – nachhaltig gewachsen. In vielen Gesprächen mit dem Unternehmer Werner Neumüller fielen immer wieder die Begriffe „Tun“ und (in Anlehnung an Reinhold Würth) „Schaffe“. Darunter versteht er Arbeit, Ideenreichtum und Tatendrang. „Schaffet“ bedeutet schon in der Bibel: Ärmel hochkrempeln und anpacken, sich verändern, Verantwortung übernehmen und tun, was in den eigenen Möglichkeiten liegt.

Das Thema hat mich fasziniert, und alles begann sich plötzlich im Kopf zu vernetzen. Es brauchte lediglich eine Form. Und was lag da näher als ein Buchprojekt? Werner Neumüller und ich haben vieles zum Thema Tun, Können und Meisterschaft in den letzten Jahren auch in Blogs, Interviews und E-Books beschrieben. Doch um nicht zu zerfasern, brauchte es eine Sammlung und Konzentration aufs Wesentliche sowie eine Spiegelung von außen auf das Thema.

Ohne anpackende Menschen, die klug und pragmatisch die Welt gestalten, kann sich eine Gesellschaft nicht nachhaltig entwickeln und innovativ sein. In der Arbeits- und Lebenswelt des 21. Jahrhunderts ist TUN – für Goethe die drei Buchstaben des Erfolgs – mit den Begriffen Verbinden, Vernetzen und Sich-Verhalten verbunden.

TL: Das ist auch schon in Ihrem 2017 erschienenen Sammelband „CSR und Digitalisierung“ angeklungen…
AH: Ja, im Vorwort. Aber dies ging aufgrund der Technologiethemen unter. Ich hatte immer das Gefühl, dass einige Themen erst in einem anderen Kontext klarer werden. Deshalb wurden der Managementvordenker Prof. Fredmund Malik, die Philosophin Dr. Ina Schmidt, die Managerin Felicitas Birkner, aber auch Sie, lieber Loitsch, gebeten, sich erneut mit einem Beitrag zu beteiligen, der zudem aus der Ich-Perspektive geschrieben sein sollte. Das ist bei Fachbüchern nicht möglich. Jetzt kam es darauf an, persönlich zu werden.

TL: Mit welchen Kernthemen beschäftigt sich das neue Buch?
AH: Wie bereits gesagt: vor allem mit dem konkreten Tun des Einzelnen in einer Welt der Ungewissheit, der Unruhe und Krisen. Wir können es uns nicht leisten, nur zurückzublicken oder uns nur gedanklich eine bessere Welt auszumalen. Es ist an der Zeit zu handeln.

Das Buch widmet sich deshalb Denkern und Machern, die mutig mit Aufbruch, Chancen und Veränderung umgehen. Es versammelt ihre wichtigsten Erkenntnisse und Einsichten, die sie auf ihrem Weg gewonnen haben und verbindet sie zu einem Big Picture. Es zeigt, wie sie experimentieren und herausfinden, was in einem sich ständig wandelnden Kontext am besten funktioniert, und was eine starke (Könnens-)Gesellschaft ausmacht.

TL: Unter welchem Vorsatz entstand das Buch?
AH: Wichtig war uns, die Perspektive möglichst breit zu ziehen, biografische Ansätze, Ideen und Thesen aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammenzubringen. Dabei geht es nicht um eine Ansammlung von Fakten, sondern um eine Reihe von Lebenserzählungen und Handlungsmotiven von Menschen, von denen sich lernen lässt. Im Mittelpunkt steht die Kernfrage: Wie macht man die Welt neu?

TL: Diese Frage stammt aus der Bibel…
AH: Ja, aus dem Neuen Testament. „Seht, ich mache alles neu“, wird Jesus in der Offenbarung des Johannes zitiert. Es ist die Frage, wie Worte in Taten verwandelt werden. Das Neue entsteht immer dann, wenn es eine Offenheit gegenüber dem Möglichen gibt, das bereits im Wirklichen verankert ist. Es geht hier nicht darum, wer oder was Menschen sind, sondern darum, was sie aus sich (selbst) und ihrem Leben machen. Dabei steht nicht das Sein im Vordergrund, sondern das Können.

TL: Wer sind die Autoren, und nach welchen Kriterien wurden sie ausgewählt?
AH: Es sind vor allem Menschen, die in Beziehungen denken, fühlen und handeln - auch über ihr Fachgebiet hinaus. Neben ihrer Neigung zu handeln, sind sie auch bereit zu geben und zu teilen. Sie zeigen, dass man im Tun nicht einfach gut ist, sondern man es erst wird. Anhand ihrer eigenen Lebensgeschichte erläutern sie, was sie zum Handeln bringt, und wo sie ihre moralischen Grundlagen dafür finden, wie sie Komplexität meistern und mit ihren Unternehmungen Relevanz stiften, als Mentoren Talente fördern und befähigen, ihre Potenziale voll auszuschöpfen. Verantwortung ist für sie die Schwerkraft, die sie auf dem Boden bleiben lässt, und die Realität und Konsequenzen spürbar macht.

Die Beiträge zeigen aber auch, dass sich die Besten auf ihrem Gebiet - Unternehmer, Manager, Investoren, Ingenieure, Sportler, Geisteswissenschaftler und Künstler - nicht durch überragende Intelligenz, sondern durch Klarheit, Kompetenz, Selbstbewusstsein, Durchhaltevermögen und „Machen“ auszeichnen. Der Band entstand unter dem Vorsatz, die Perspektive möglichst breit zu ziehen, biographische Ansätze, Ideen und Thesen aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammenzubringen. Dabei geht es nicht um eine Ansammlung von Fakten, sondern um eine Reihe von Lebenserzählungen und Handlungsmotiven von Menschen, von denen wir lernen können.

TL: Was war die größte Herausforderung auf dem Weg zu diesem Buch?
AH: Es war uns wichtig, die richtige Balance zu finden, um die Breite an Tätigkeitsfeldern und Altersgruppen abzubilden. Auch standen wir immer vor der Frage, welche gesellschaftlichen Einflüsse und Trends wir kommentierend aufnehmen sollten. Zudem brauchte es eine Ausgewogenheit beim Autorenmix: Viele kannten wir persönlich, andere faszinierten uns durch ihr Tun. Wir wollten mehr über diese Menschen erfahren und haben sie eingeladen, einen entsprechenden inhaltlichen Beitrag zu leisten. Es sind viele Prominente enthalten, doch war es uns genauso wichtig, Menschen zu präsentieren, die in den Medien weniger bekannt sind. Erst auf diese Weise entstand ein Radar, der gesellschaftliche Fragen beantwortet und die Richtung für die Zukunft vorgibt.

Die Autoren im Buch von A bis Z

Felicitas Birkner, Wolfgang Grupp, Karin Helle, Horst Herberg, Alexandra Hildebrandt, Manja Hies, Tatjana Kiel, Wolfgang Köbler, Dagmar Fritz-Kramer, Olaf Krebs, Matthias Krieger, Tobias Loitsch, Fredmund Malik, Reiner Meutsch, Tina Müller, Werner Neumüller, Claus-Peter Niem, Tim Polifke, Ina Schmidt, Jonathan Sierck, Nicole Simon, Alexander Stoeckel, Thi Loan Strasser, Marion Weissenberger-Eibl, Philipp von der Wippel, Tobias Wrzesinski.

Hier finden Sie weiterführende Informationen zu dem Buch den Autoren.


Tobias Loitsch ist Leiter des NeuInstituts für Technologie in Wirtschaft und Gesellschaft. Er leistet wissenschaftliche, operative und praktische Unterstützung in der Bewertung, Analyse und Aufbau digitaler Geschäftsmodelle und Prozesse. Zudem betrachtet er Auswirkungen von Technologie auf Wirtschaft und Gesellschaft im Zusammenhang mit Emotionaler Intelligenz. Zudem betrachtet er in seiner Arbeit die technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen Chinas im Vergleich zu Deutschland.

Dr. Alexandra Hildebrandt. Nachhaltigkeitsexpertin und Wirtschaftspsychologin. Sie studierte Literaturwissenschaft, Psychologie und Buchwissenschaft. Alexandra Hildebrandt ist Sachbuchautorin, Hochschuldozentin, Herausgeberin und Mitinitiatorin der Initiative www.gesichter-der-nachhaltigkeit.de.

Das könnte Sie auch interessieren

Digitale Fitness: Warum Deutschland härter trainieren muss

„Wer Neuerungen einführen will, hat alle zu Feinden, die aus der alten Ordnung Nutzen ziehen.“ (Machiavelli) Digitale Technologien: Wie fit sind deutsche Unternehmen? Aus der Evolution ist bekannt, dass nicht die Stärkeren überleben, sondern jene, die sich am besten anpassen können (to fit). Das ist ein permanenter Vorgang, der auch für das Zeitalter der Digitalisierung […]

0 Kommentare

Besuche im Silicon Valley bleiben wirkungslos, wenn wir die digitale Sprache nicht lernen.

Wer die Sprache der digitalen Welt nicht lernt, gehört zu den neuen Analphabeten und bleibt passiver Konsument. Die Chefredakteurin der WirtschaftsWoche, Miriam Meckel, schrieb mit „Sprachlos in Seattle“ nicht nur ein Editorial zur Ausgabe 42, die am 7. Oktober 2016 erschien, sondern formulierte ein Plädoyer, das uns auf unserem Weg unterstützt, fit für die Zukunft […]

1 Kommentar

Forschungserkenntnisse sowie Szenarien und Projektionen für die Zukunft

Diskurs und Austausch setzen Impulse, helfen Position zu beziehen und Verantwortung zu übernehmen. Sie prägen die Zukunft von Wirtschaftsstandorten, von Unternehmen, Verwaltungen, der Politik, der Hochschullandschaft und jedes einzelnen Bürgers. In ihrem aktuellen eBook „Blick ins Neue“ stellt die Pionierin der Innovationsvernetzung, Univ.-Prof. Dr. Marion A. Weissenberger-Eibl, faktenbasierte Erkenntnisse aus der Forschung sowie Szenarien und […]

0 Kommentare

Impulse zu Mobilität und Arbeitswelten, bei über 200 KMH im ICE4

Mobilität war schon immer ein wichtiger Faktor in unserer Geschichte. Ob für Entdecker, Auswanderer oder Menschen die sich auf der nach Arbeit befanden. In frühen Zeiten einfach per Fuß, auf dem Pferd oder mit dem Schiff. Eine echte Mobilität wurde den Menschen erst mit der Erfindung der Dampflokomotive und anderen modernen Transportmitteln gegeben. Trotzdem waren […]

0 Kommentare

Besuche im Silicon Valley bleiben wirkungslos, wenn wir die digitale Sprache nicht lernen.

Wer die Sprache der digitalen Welt nicht lernt, gehört zu den neuen Analphabeten und bleibt passiver Konsument. Die Chefredakteurin der WirtschaftsWoche, Miriam Meckel, schrieb mit „Sprachlos in Seattle“ nicht nur ein Editorial zur Ausgabe 42, die am 7. Oktober 2016 erschien, sondern formulierte ein Plädoyer, das uns auf unserem Weg unterstützt, fit für die Zukunft […]

1 Kommentar

Schöne neue Arbeitswelt: Von Stilblüten, Worthülsen und Labs

Gute Arbeit. Nie waren sie so wertvoll wie heute: Lebenskünstler, die sich nicht als Verwalter ihrer Existenz begreifen, sondern als innerlich unabhängige Gestalter. Was sie hervorbringen, verdanken sie ihrem Können, wozu es allerdings ständige Übung braucht. Sie sind Handwerker ihres eigenen Lebens und gehen einfach „ans Werk“. Die schöpferische Dimension des Begriffs ist auch im […]

0 Kommentare

Intelligente Verkehrsnetze brauchen smarte Mautsysteme.

Die Logistik ist nicht nur das Rückgrat des industriellen Handelns, sondern auch Teil vernetzter Wertschöpfungsnetzwerke, die künftig noch verstärkt werden, denn der Mobilitätsbedarf steigt, da sich immer mehr Personen und Güter die gleichen Verkehrswege teilen. Der Einsatz intelligenter Verkehrsnetze ermöglicht eine Optimierung der wirtschaftlichen Nutzung von Verkehrsinfrastruktur. Ziel ist die Verbesserung der nachhaltigen Begleitumstände des […]

0 Kommentare

Im Interview mit Trendbeobachter Mathias Haas. Unser Leben 2030 – Ein Blick in die nahe Zukunft.

Technische Entwicklungen und Mobilität prägen unser Privat- und Berufsleben immer mehr. Wir sind flexibler, erreichbarer, viel unterwegs und ständig online. Das ist die Gegenwart. Aber wie sieht unser Leben 2030 aus? Eines ist sicher: immer mehr Menschen werden mobil sein. Bis 2030 plant die Deutsche Bahn deshalb ihr jetziges Angebot um 25 Prozent zu erweitern. […]

0 Kommentare