Mindfulness – Von neurobiologischen Befunden bis zur einfachen Gelassenheit.

Mindfulness - ein modernes Schlagwort, Meditation – in aller Munde. Von Google über London Transport bis zu großen Hotel-Spa-Ketten wie Aman Spa. Sogar die Harvard Business School vermittelt Mindfulness in ihren Managementprogrammen.

Also, was ist Mindfulness? Einfach gesagt, bedeutet Mindfulness, dass wir unsere Aufmerksamkeit lenken, auf den gegenwärtigen Moment, ohne zu beurteilen, was wir dabei bemerken. Aus dem Buddhismus übernommen, aber in allen Weltreligionen bekannt, wird diese Praxis heute in säkularisierter Form in wissenschaftlich validierten Methoden. Den sogenannten:

• Mindfulness-based Interventions (MBI) wie
• Mindfulness-based Stress Reduction (MBSR) oder
• Mindfulness-based Cognitive Therapy (MBCT) unterrichtet.

Wie „mindful“ sind wir denn so eigentlich?

Meditation (Mindfulness Praxis) kann Stress und Anspannung reduzieren, Resilienz (psychische Widerstandkraft) und Emotionale Intelligenz steigern, die Kommunikation am Arbeitsplatz verbessern. Aber wie „mindful“ sind wir denn so eigentlich? Wenn Sie möchten, beantworten Sie sich dazu einmal die nachfolgenden Fragen:

  • Wie oft kam es in der letzten Woche vor,
  • dass Sie sich nicht an etwas erinnern konnten,
  • was Andere in einem Gespräch gesagt haben,
  • dass Sie keine Erinnerung an den gerade absolvierten Weg zu Ihrer Arbeit hatten (obwohl Sie heil angekommen sind),
  • dass Sie etwas an Ihrem Schreibtisch gegessen haben,
  • ohne den Geschmack wahrzunehmen,
  • dass Sie sich mehr als vielleicht nötig Sorgen über etwas Vergangenes oder Zukünftiges gemacht haben und diese Gedanken einfach nicht mehr loswurden,
  • dass Sie beim Lesen dieses Textes gerade mindestens einmal abgeschweift sind?

Wenn Sie zu diesen Punkten ja gesagt haben, befinden Sie sich wahrscheinlich öfter im „Autopilot-Modus“, wie Jon Kabat-Zinn, Entwickler der MBSR, es nennt. Sie klinken sich aus der Wirklichkeit aus (aus welchen Gründen auch immer) und verbringen die Zeit in Gedanken und Vorstellungen.

Soweit es das Gehirn betrifft, führt diese Art zu arbeiten in eine Sackgasse

In der gegenwärtigen, ökonomischen Situation leisten viele Menschen mehr in weniger Zeit, unter immer größer werdender Informationsflut und entsprechendem Arbeits- und Entscheidungsaufwand. „Wo Stress, Überstunden und „immer in Aktion sein“ als eine Art Auszeichnung gesehen werden, wird die Arbeit bald kontraproduktiv.“, sagt Mark Williams, emeritierter Professor der Oxford University und Mitentwickler von MBCT. „Wir glauben vielleicht, damit produktiv und besonders engagiert zu sein. Soweit es das Gehirn betrifft, führt diese Art zu arbeiten in eine Sackgasse. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen sich irgendwann erschöpft fühlen.“

Mindfulnesstraining befähigt uns, einen Schritt zurückzutreten

Die neurologischen Vorteile, die die Mindfulness Meditation dagegen mit sich bringt, sind verbunden mit einem Anstieg der Emotionalen Intelligenz, insbesondere der Empathie und der emotionalen Selbstregulationsfähigkeit. Die Entwicklung dieser Fähigkeiten hilft uns, Konflikte besser zu lösen und effektiver zu kommunizieren. Mindfulnesstraining befähigt uns, einen Schritt zurückzutreten und alle Alternativen zu betrachten, anstatt in der uns vertrautesten, aber nicht unbedingt angemessensten, geschweige denn intelligentesten Art zu reagieren.

Intelligenter und fähiger wahrgenommen werden

Copyright Mirabai Bush

Mirabai Bush, die das Training bei Google einführte, sagt dazu: „Ein Mindfulnesstraining für Mitarbeiter und Führungskräfte einzuführen bedeutet nicht, dass Konflikte oder schwierige Themen nicht mehr auftreten.

Aber wenn sie hochkommen, werden sie wahrscheinlich besser, intelligenter und fähiger wahrgenommen, bearbeitet und beantwortet als zuvor. Mit Hilfe dieses Trainings lernen wir mit der Zeit, innere Ressourcen zu entwickeln, die uns helfen, durch schwierige, herausfordernde und stressvolle Situationen mit mehr Gelassenheit und Leichtigkeit zu navigieren.

Neueste neurobiologische Befunde weisen darauf hin, dass durch die Meditation sogar das Gehirn sich besser selbst „reparieren“ kann (Stichwort Neuroplasticity), d.h. in einigen seiner Bereiche neue neuronale Verbindungen herstellen kann. Aber auch hier gilt: „Use it or loose it“, ein regelmäßiges Praktizieren der Meditation ist unumgänglich, wenn ihre positiven Effekte eine Möglichkeit zur Entfaltung bekommen sollen.

Was bringt das Mindfulnesstraining für Unternehmen?

Das wertvollste Gut jedes Unternehmens sind die Mitarbeiter. Mitarbeiter, die einen Sinn in ihrer Arbeit sehen, der über den des Broterwerbs hinausgeht, Mitarbeiter, die ein tiefes Verständnis für ihr Arbeitsfeld mitbringen, die motiviert sind, kontinuierlich dazu zu lernen, Mitarbeiter, die ihre Handlungsmöglichkeiten kennen und erkennen. Das sind die Mitarbeiter, die ein Unternehmen braucht, um im Wettbewerb mit den innovativsten Ideen und Knowhow zu überzeugen.

Kompetente Mitarbeiter für das Unternehmen zu erhalten

Mitarbeitern ein Arbeitsumfeld zu bieten, in dem sie diese Leistungen erbringen können, ist daher heute die Hauptaufgabe eines auf die Zukunft ausgerichteten, verantwortungsvollen Personalmanagements. Eine Möglichkeit, kompetente Mitarbeiter für das Unternehmen zu erhalten sowie für neue gut ausgebildete Mitarbeiter ein attraktiver Arbeitgeber zu sein, ist es, hier Weiterbildungsangebote bereitzustellen, die den Fokus auf ein gesundes und zufriedenes Leben und Arbeiten legen:

Kreativität, Entscheidungsfreude und –fähigkeit

Copyright Chade-Meng Tan

Ressourcenfocusing und Mindfulnesstraining sind zwei Bausteine, die ihre Mitarbeiter vielfältig unterstützen können: durch die Entwicklung von Gelassenheit und Resilienz (psychischer Widerstandskraft in Krisenzeiten), von achtsamem, engagierten Umgang mit Kunden innerhalb und außerhalb des Unternehmens, von Kreativität, Entscheidungsfreude und –fähigkeit sowie nicht zuletzt von einer Work-Life Balance, die gesund erhält und innere Stärke gibt. Bisher wirksam eingesetzt als Stressbewältigungsinstrument, bewährt sich Mindfulness kombiniert mit den Konzepten der Positiven Psychologie und Ressourcenorientierung immer mehr auch im unternehmerischen Kontext.

Als Training im Rahmen von Workshops oder regelmäßigen Weiterbildungseinheiten kann es zur Entwicklung von Mitarbeitern und Teams eingesetzt werden, um damit, wie Chade-Meng Tan, Google-Ingenieur der ersten Stunde und „Mindfulness-Guru der Silikon Valley“, es ausdrückt, „gelassener, kreativer und erfolgreicher zu sein“ (TAN 2012: „Search Inside Yourself“).

Work-Life Balance und eine gute Arbeitsbeziehung zu den Vorgesetzten

Rainer Strack, BCG, stellt die Ergebnisse einer internationalen Untersuchung dar, die angibt, welche Erwartungen junge, gut ausgebildete Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen heute an ihren Arbeitgeber haben. Er führt aus, in welcher Weise Unternehmen sich diesen Erwartungen stellen sollten. 60% der Befragten geben dabei an, für einen interessanten Arbeitsplatz mobil zu sein.

Ihnen kommt es in erster Linie auf die Wertschätzung an, die ihnen im Unternehmen entgegengebracht wird. Auf den Plätzen 2 – 4 für einen attraktiven Arbeitgeber finden sich die Faktoren: 2. Gutes Klima unter den Kolleginnen und Kollegen 3. Eine gute Work-Life Balance und 4. Eine gute Arbeitsbeziehung zu den Vorgesetzten. Erst auf Platz 8 ist das wohl bisher von den meisten auf den vorderen Plätzen erwartete „Hohe garantierte Einkommen“ zu verzeichnen.

Eine Kultur die auf gegenseitiger Wertschätzung beruht

Im Angesicht der dramatischen Verknappung der für jedes Unternehmen wertvollen Ressource „highly skilled, well educated, young employee“ in den nächsten 10 – 15 Jahren wird nicht mehr „Financial Planning“ die wichtigste Aufgabe einer zukunftsorientierten Unternehmensführung sein, sondern die Implementierung einer dezidierten „People Strategy“, einer Strategie, die auf einer Kultur der gegenseitigen Wertschätzung und des Beziehungsaufbaus im Unternehmen beruht. Quelle:TED Talk. BCG's Rainer Strack advocates for companies to adopt a "people advantage" — because employee-centered thinking can go a long way.

Übrigens: Seit 2009 fördert Bundesregierung Betriebliches Gesundheitsmanagement mit Steuervorteilen für die Betriebe! „500 Euro kann ein Unternehmen pro Mitarbeiter und pro Jahr seither lohnsteuerfrei für Maßnahmen der Gesundheitsförderung investieren.“

Wie kann ein Mindfulnesstraining in Unternehmen aussehen?

Mindfulness trägt dazu bei, die Selbstwahrnehmung der Mitarbeiter zu verbessern sowie mentale Gewohnheiten zu entwickeln, die guttun, gesund erhalten und psychisch stärken, um mit den vielfältigen Anforderungen des Berufs- und Privatlebens besser umgehen zu können. Abgestimmt auf die Bedürfnisse Ihres Unternehmens kann speziell ein Programm entwickelt werden, das die Erkenntnisse der wissenschaftlichen Meditationsforschung und der Positiven Psychologie miteinander verbindet.

Alternativ senden sie einen oder mehrere interessierte Mitarbeiter zum Accredited Advanced Diploma in Mindfulness Coach Training (AADCT). Neben dem Erlernen der Meditation als Mittel zur Stressbewältigung ist es das Ziel dieser Art des Trainings, eigene Ressourcen neu zu entdecken und zielgerichtet einzusetzen, um gelassener, konzentrierter, kreativer und letztendlich zufriedener und erfolgreicher zu leben und zu arbeiten.

Albert G. Tobler, Association for Coaching Accredited Master Executive Coach, Trainer and Supervisor

Autor Albert G. Tobler. Association for Coaching Accredited Master Executive Coach, Trainer and Supervisor. Ausführliche Informationen unter: www.london-meditation.co.uk

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