Das erwärmt! Warum heiße Getränke besser schmecken, wenn wir auch an morgen denken.

Wenn heiße Getränke wie Tee, Kaffee oder Kakao schmecken, dann ist auch jemand dafür verantwortlich – und zwar nicht nur der, der Hersteller sondern auch derjenige, der die Rohstoffe dafür produziert. Der österreichische Chocolatier Josef Zotter wollte stets LEBENsmittel herstellen, die ehrlich und fair zu Mensch und Umwelt sind. Dazu gehört auch, dass sich ein Unternehmer die Frage stellt, wer man ist und was das Unternehmen überhaupt produziert, für das er Verantwortung trägt. Sein gesamtes Lebenswerk ist ein dynamischer Kopfstand mit aktiver Neigung zu permanenten Kopfgeburten: „Dinge, die im Kopf entstehen. Einfälle, die kopfstehen – Umsetzung auch oder vorzugsweise gegen Widerstände.“

Vielfalt, Innovation und Nachhaltigkeit

Josef Zotter

Josef Zotter

Oft genügt schon eine winzige Idee – und die Welt sieht schon wieder anders aus. „Aber wer denkt so?“, fragt Josef Zotter und verweist darauf, dass einige Menschen glauben, dass er all das nur macht, weil er etwas schrullig sei. Aber er denkt im Sinne der Nachhaltigkeit natürlich viel weiter. Worauf es seiner Meinung nach ankommt, ist, Menschen zu erklären, warum es genial ist, wenn man an morgen denkt.

Die zotter Schokoladen Manufaktur GmbH mit Sitz in Riegersburg, Bergl (Österreich) steht für Qualität, Vielfalt, Innovation und Nachhaltigkeit. Um dem eigenen hohen Anspruch an das Produkt, die Herstellung und die Arbeitsbedingungen gerecht zu werden, haben Qualitäts-, Lebensmittelsicherheits- und Hygienebewusstsein sowie das Umwelt-, Arbeitssicherheits- und Energieeffizienzbewusstsein einen sehr hohen Stellenwert. Das Familienunternehmen wurde 1999 gegründet.

Fusion der drei Kriterien Bio + Fairtrade + Bean-to-Bar

bohnen0170Die handgeschöpften Schokoladen erfand Josef Zotter bereits 1992. Bis zur Gründung der Manufaktur wurden die Schokoladen in der Zotter-Konditorei hergestellt. Mit der Zotter Schokoladen Manufaktur GmbH erfolgte die Spezialisierung auf die Produktion von Schokolade. Für die Produktion werden ausschließlich bio-zertifizierte und fair gehandelte Rohstoffe verwendet. Zudem wird Schokolade direkt von der Bohne weg produziert (Bean-to-Bar). Der Großteil der Branche verwendet Halbfertigprodukte, doch Zotter stellt seine Schokoladen direkt am Standort selbst her.

Die Kakaobohnen werden nach Bergl (Riegersburg) geliefert und verlassen die Manufaktur erst als fertige Schokoladentafel. Dadurch werden Transportwege eingespart. Die Fusion der drei Kriterien Bio + Fairtrade + Bean-to-Bar sind ein Alleinstellungsmerkmal des Unternehmens, das europaweit der einzige Hersteller ist, der von der Bohne weg komplett in Bio- und Fairtrade-Qualität produziert. Seit 2007 scannt Greenpeace den Konsumentenmarkt: Hier schneiden Zotters Produkte im Bereich Ökologie, Inhaltsstoffe, Transport, Verpackung, Gentechnik sowie artgerechte Tierhaltung und soziale Aspekte immer wieder mit „hervorragend“ ab.

Warum wir dem Markt nicht vertrauen sollten

zotterDas Beispiel von Zotter macht allen Mut, die auf eine nachhaltige Denk- und Wirtschaftsweise setzen und nicht auf den Markt, der immer nur das kommuniziert, was er schon kennt. Das Argument einiger Unternehmer, dass das der Markt „verlangt“, zählt für ihn nicht, denn das bedeutet, Verantwortung abzugeben. Sie kann nicht an den Konsumenten delegiert werden, weil er heute von der Fülle an Informationen fast erschlagen wird und sich kaum mehr auskennt. Ihm bleibt oft nur, das zu nehmen, was da ist. Das spiegelt sich auch in den Produktauslagen: immer das Gleiche. Nachhaltigkeit aber setzt auf das Vielfältige und Unverwechselbare.

Dazu gehört beispielsweise die Konsumentenentscheidung, bei mittelständischen Unternehmen einzukaufen (viele von ihnen gehören zu den Öko-Pionieren), weil hier Gesichter hinter Produkten und Prozessen stehen, „und es keinen Vorstand gibt, der nur auf Basis von Wachstumszahlen Entscheidungen trifft“. Josef Zotter verweist darauf, dass es gerade in der Lebensmittelbranche viele kleine Unternehmen gibt, die aus Überzeugung nachhaltig sind. Diese müssen ihre Kundschaft finden, haben aber leider nicht die Werbemöglichkeiten wie die Großen. Deshalb sollten sie ausgewählt und besonders unterstützt werden.

Dringlichkeit braucht digitale Multiplikatoren

Heiko Butz u. Daniel Duarte

Heiko Butz u. Daniel Duarte

Beispielsweise auch koawach, wo mit dem Slogan geworben wird: „Wach auf! Die Welt braucht Dich wach.“ Menschen sollen mit Bio- Trinkschokoladen „geweckt“ werden – alles produziert von Bio-Bauern aus Lateinamerika, ebenfalls direkt und fair gehandelt. Das Unternehmen sieht sein nachhaltiges Handeln als Beitrag für eine wachere Welt: „Fair schmeckt einfach besser.“

Die neuen digitalen Möglichkeiten können ebenfalls ein guter Multiplikator sein, auf die „Kleinen“ hinzuweisen. Blogs wie dieser bei der Huffington Post etwa, aber auch Amazon Publishing. Das ist nicht nur eine enorme unternehmerische Leistung, sondern sollte auch als Aufruf an alle Verlage betrachtet werden, ihr Serviceportfolio für engagierte Autoren anzupassen, um neue Wege zu gehen und dringliche gesellschaftliche Inhalte schneller in den Markt zu bringen. Auch können nachhaltige Projekte gezielter und zeitnah unterstützt werden.

Kopfstand mit frischen Ideen

teeIn den vergangenen Jahren wurden in diesem HuffBlog viele Beispiele vorgestellt. Diese wurden jetzt in verschiedenen Kindle Editionen gesammelt und in aktualisierte Kontexte gestellt. Das betrifft beispielsweise auch das Thema Kaffee: Nach Erdöl ist er der am meisten gehandelte Rohstoff der Welt.

2015 wurden etwa 145 Millionen Säcke geerntet. Wer sich einen Überblick über fair gehandelten Bio-Kaffee verschaffen möchte, findet eine Übersicht auf dem Internetportal memolife (Ideen für nachhaltiges Leben). Der Ökoversender memo AG kooperiert im Bereich Kaffee- und Teesortiment mit Lebensbaum, dem Pionierunternehmen der Biobranche, das Kaffee, Tee und Gewürze aus 100% Bio-Anbau anbietet. Ursprünglich als Bioladen gegründet, verbindet das Unternehmen heute nach eigenen Angaben Genuss mit ökologischer Weitsicht und sozialer Verantwortung.

Allein an einem Produkt wie dem Weißen Tee, der als „Kaiser“ unter den Tees bezeichnet wird, zeigt sich die gesamte Wertschöpfungskette des Themas: So stammt der GEPA Bio-Weißtee Darjeeling aus dem indischen Hochland aus kontrolliert ökologischem Anbau. Zudem werden durch faire Handelsbedingungen Bildungs- und Gesundheitsprogramme für die Teebauern finanziert und schaffen für die Menschen vor Ort eine Zukunftsperspektive.

2,8 Mrd. 2-Go-Becher landen jährlich im Müll

5-web-kaffeeformUpcycling liegt seit vielen Jahren im Trend – vor allem Start-ups bringen ihre Gedanken buchstäblich in Form. Wie Josef Zotter stehen sie mit ihnen zuerst „kopf“ und werden dafür belächelt, aber sie lassen sich nicht von ihrem Weg abbringen. Dazu gehört auch das junge Unternehmen „Kaffeeform“.
Der Produktdesigner Julian Lechner hatte die Idee Kaffeesatztassen zu fertigen, als er in Bozen studierte. Einige Jahre später wurde daraus Wirklichkeit. Heute trinkt er in einem Berliner Café aus seiner eigenen Erfindung, die auch noch spülmaschinenfest ist. Monatlich verkauft er etwa tausend Tassen. Dafür sammelt er 300 Kilogramm Kaffeesatz in Berliner Cafés, die ihn in einen Eimer füllen (fünf Kilogramm täglich). Die Masse wird in Säcke gefüllt, getrocknet und in Tassenform gebracht. Fünf bis sechs Personen sind täglich damit beschäftigt, den Kaffee morgens abzuholen und zu trocknen.

Wissen und Gewissen sind untrennbar miteinander verbunden

gut-zu-wissenIn den folgend genannten Kindle Editionen haben die Nachhaltigkeitsexpertin Claudia Silber und ich zahlreiche Beispiele aus dem Lebens- und Unternehmensalltag zusammengetragen, die zeigen, dass die Chancen nicht in der Zukunft liegen, sondern direkt vor und bei uns. So landen etwa 2,8 Mrd. Coffee-2-Go-Becher in Deutschland jährlich im Müll – ein 300.000 km hoher Becherturm (Quelle: memolife). Empfohlen wird, doch lieber den eigenen Kaffee in Bio- und Fairtrade-Qualität im handlichen Thermosbecher mit auf den Weg zu nehmen.

Das spart Geld und vermeidet unnötigen Müll. All das symbolisiert den Grundsatz der Nachhaltigkeit: kluge Entscheidungen treffen, die unsere Lebensumstände verbessern, ohne unsere Zukunftschancen zu beeinträchtigen. Wissen und Gewissen sind in diesen Kreisläufen untrennbar miteinander verbunden.

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Copyright Steffi Henn

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Autorin Dr. Alexandra Hildebrandt ist Nachhaltigkeitsexpertin und Wirtschaftspsychologin. Sie studierte Literaturwissenschaft, Psychologie und Buchwissenschaft. Anschließend war sie viele Jahre in oberen Führungspositionen der Wirtschaft tätig. Bis 2009 arbeitete sie als Leiterin Gesellschaftspolitik und Kommunikation bei der KarstadtQuelle AG (Arcandor). Beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) war sie von 2010 bis 2013 Mitglied der DFB-Kommission Nachhaltigkeit. Den Deutschen Industrie- und Handelskammertag unterstützte sie bei der Konzeption und Durchführung des Zertifikatslehrgangs „CSR-Manager (IHK)“. Alexandra Hildebrandt ist Sachbuchautorin, Hochschuldozentin, Herausgeberin und Mitinitiatorin der Initiative www.gesichter-der-nachhaltigkeit.de. Sie bloggt regelmäßig für die Huffington Post zu Nachhaltigkeitsthemen und ist Co-Publisherin der Zeitschrift „REVUE. Magazine for the Next Society”.

Sämtliche Erlöse aus den eBooks von Alexandra Hildebrandt kommen HORIZONT e.V. zugute. Der gemeinnützige Verein wurde 1997 von der Schauspielerin Jutta Speidel gegründet und hilft wohnungslosen Müttern und deren Kindern schnell und unbürokratisch.

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