Es muss nicht immer Tesla sein. Auch in Deutschland und Österreich enstehen innovative Mobilitätslösungen.

Der Begriff Logistik, der sich vom altgriechischen Wort logistikē („praktische Rechenkunst“) ableitet, mutet auf den ersten Blick nüchtern an. Wer sich jedoch tiefergehend damit beschäftigt, erfährt buchstäblich, dass er mit Kreativität und zahlreichen Innovationen verbunden ist: So wurden zwischen 2007 und 2017 weltweit rund elf Milliarden Dollar in Startups investiert, davon 70 Prozent für Mobilität und Logistik.

Logistik des 18. Jahrhunderts in einem Kupferstich von Daniel Chodowiecki

Da die Stadtbevölkerung weltweit nach UN-Angaben bis zum Jahr 2050 um 2,5 Milliarden Menschen anwachsen wird, sind viele Städte mit ihrer Infrastruktur (noch) nicht auf die wachsende Stadtbevölkerung vorbereitet. Deshalb werden neue, effizientere und saubere Lösungen für den urbanen und vernetzten Verkehr der Zukunft benötigt.

Alternative Antriebe nehmen in der Automobil- und Transportbranche deshalb immer mehr an Fahrt auf, wie die folgenden Beispiele belegen: Um für die Zukunft in wirtschaftlicher und ökologischer Hinsicht gerüstet zu sein, entwickelte die Deutsche Post ein Elektrofahrzeug, das sie auch selbst produziert hat. Inzwischen läuft die Serienproduktion in verschiedenen Varianten. Etwa 3000 Streetscooter sind nach Unternehmensangaben bereits im Einsatz, die meisten davon in Deutschland. Produziert werden sie bei der StreetScooter GmbH, einem ehemaligen Start-up der RWTH Aachen, das die Post 2014 übernahm.

Wie in Deutschland und Österreich die Post abgeht

Die Jahresproduktion soll auf jährlich 20.000 Fahrzeuge verdoppelt werden. Zunehmend im Einsatz ist auch das größere Modell Work L, das eine doppelt so große Transportkapazität hat wie das Grundmodell. Deutsche Post DHL Group hat sich freiwillig zur „Mission 2050“ verpflichtet und sich zum Ziel gesetzt, bis dahin alle logistikbezogenen Emissionen netto auf null reduzieren.

Als Zwischenziel soll im Rahmen des konzernweiten Umweltschutzprogramms GoGreen bereits bis 2025 die eigene Abholung und Zustellung zu 70 Prozent auf saubere Lösungen umgestellt werden (z.B. mit dem Rad oder mit Elektrofahrzeugen).

Vermeidung von Emissionen in den Gebäuden und im Fuhrpark

Die Streetscooter, die hier zum Einsatz kommen, werden in vier Zustellbasen von Deutsche Post DHL Group über Nacht aufgeladen. Dafür wird zertifizierter Ökostrom verwendet. Nach dem mit der RWTH Aachen entwickelten Modell baut die Post nun einen E-Transporter auf Basis eines Fahrwerks von Ford. Bis Ende 2018 sollen 2.500 davon in deutschen Städten als Auslieferungsfahrzeuge unterwegs sein.

Auch in Österreich hat die Post durch die Initiative „CO2 NEUTRAL ZUGESTELLT“ eine Vorreiterrolle in der Logistikbranche eingenommen. Sie garantiert, dass Brief-, Zeitschriften- und Werbesendungen innerhalb Österreichs CO2-neutral zugestellt werden (ohne Zusatzkosten für die Kunden). Im Fokus stehen dabei die Vermeidung von Emissionen in den Gebäuden und im Fuhrpark, der Einsatz von alternativen und Energien wie Elektromobilität sowie regenerative Energien. Damit verbunden ist auch das Thema Umweltmanagement, dem eine große Bedeutung beigemessen wird. 2016 wurde in Wien-Inzersdorf das größte Logistikzentrum nach ISO 14001:2015 zertifiziert. In den nächsten Jahren ist eine Ausweitung von zertifizierten Umweltmanagementsystemen auf weitere Standorte geplant.

Nachhaltige Unternehmensprozesse und Wege, die nicht aufs Abstellgleis führen

Dass E-Mobilität ein Bestandteil nachhaltiger Wertschöpfungsketten von Unternehmen ist, zeigen auch folgende Beispiele: Gewerbe- und Privatkunden der memo AG, einem Versandhandel für nachhaltige Alltagsprodukte im Büro und für zu Hause, werden innerhalb des Berliner S-Bahn-Rings seit 2016 mit Elektro-Lastenrädern des Rad-Logistikers Velogista GmbH beliefert, die den innerstädtischen Transportverkehr revolutionieren will.



Mit mittlerweile acht Elektro-Lastenfahrrädern liefert das Unternehmen Waren auf der letzten Meile emissions- und feinstaubfrei, lautlos, flexibel und schnell. Das vierköpfige Organisationsteam um Geschäftsführer Martin Seißler eint nicht nur die Begeisterung fürs Radfahren, sondern auch der Wunsch nach Veränderung in Berlin und der Mut, etwas Neues zu probieren. Ergänzt wird das Team durch die Fahrerinnen und Fahrer, die täglich durch Berlin radeln. Neben der Umwelt stellt die Velogista GmbH durch faire Bezahlung und Behandlung die Menschen innerhalb des Unternehmens in den Mittelpunkt der wirtschaftlichen Aktivitäten.

Elektro-Lastenräder mit 100 % Ökostrom fahren komplett emissionsfrei

Knapp 2.000 Sendungen der memo AG sind aktuell bereits auf diesem Wege ausgeliefert worden. Der große Vorteil dabei ist: Durch das Laden der Elektro-Lastenräder mit 100 % Ökostrom fahren diese komplett emissionsfrei. Zusätzlich werden Abgase und Lärmbelastung drastisch reduziert. Da die Fahrer der Lastenräder in Berlin die Busspur und Fahrradwege benutzen und auch Einbahnstraßen entgegen der Fahrtrichtung befahren dürfen, ist die Zustellung häufig auch schneller als mit dem Paketzustellfahrzeug. Durch das Laden der DPD Elektro-Lastenräder mit 100 % Ökostrom fahren diese komplett emissionsfrei. Zusätzlich werden Abgase und Lärmbelastung drastisch reduziert. Da die Fahrer der Lastenräder in Berlin die Busspur und Fahrradwege benutzen und auch Einbahnstraßen entgegen der Fahrtrichtung befahren dürfen, ist die Zustellung häufig auch schneller als mit dem Paketzustellfahrzeug.

Auch die Deutsche Telekom geht ungewöhnliche Wege und setzt auf E-Bike statt Auto, um die Termintreue ihrer Servicetechniker zu verbessern. das kündigte der für die Servicetransformation verantwortliche Geschäftsführer Ferri Abolhassan im Gespräch mit der WirtschaftsWoche (Juli 2017). Erste Tests laufen in Hannover und werden in nächster Zeit auf Düsseldorf ausgedehnt. Eingesetzt werden Pedelecs in Form eines speziell angepassten Lastenrades, mit denen Dank der Unterstützung eines Elektromotors Spitzengeschwindigkeiten von bis 25 km pro Stunde erreicht werden.

Jeder Beschäftigte in Deutschland fährt durchschnittliche ca. 17 km pro Tag zur Arbeit

Die Barmenia gehört zu den großen unabhängigen Versicherungsgruppen in Deutschland. Sie ist bestrebt, ihre Emissionen zu senken, möchte aber auch Forschung und Entwicklung unterstützen, um die Mobilität von morgen mitzugestalten. Die Teilnahme am Forschungsprojekt www.bmm3.de und auch die Unterstützung des zukunftsweisenden DB-Projekts „Move“ sollen dazu beitragen. Im Bereich Mobilität versucht die Barmenia z. B. mit E-Tankstellen, einem E-Mobil-Kurierfahrzeug, emissionsfreien Bahnreisen und vergünstigten Jobtickets Akzente zu setzen. Im Durchschnitt fährt jeder Beschäftigte in Deutschland pro Tag 17 Kilometer zur Arbeit. Die etwa 3500 Mitarbeiter der Barmenia sind auf ihren Arbeitswegen damit täglich insgesamt 120.000 Kilometer unterwegs. Selbst bei kleinen Veränderungen kann viel CO2 gespart werden.

Wer auf Dienstreisen den Zug nimmt, fährt am Stau vorbei

Nachhaltige Mobilität ist dabei nicht nur gut für die Umwelt, sondern wirkt sich oft auch positiv auf die Gesundheit aus. Wer beispielsweise mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, bewegt sich mehr und spart Geld. Wer auf Dienstreisen den Zug nimmt, fährt am Stau vorbei und kann entweder arbeiten oder entspannen. Dennoch gibt es beim Mobilitätsverhalten der Mitarbeiter und in der Gesellschaft noch großes Potenzial. Deshalb stand der fünfte Barmenia-Nachhaltigkeitstag für Mitarbeiter im Juni 2017 unter dem Motto „Mobil denken und handeln“. Die Beispiele zeigen, dass Logistik thematisch mehr beinhaltet als Container, Straßen, Schienen, Staus oder Materialfluss, sondern auch mit Organisation, Kooperation sowie dem Bewusstsein und dem Wissen verbunden ist, wo es künftig „langgeht“. Sie beginnt mit dem mobilen Denken – der Antriebskraft einer Gesellschaft in Bewegung.

Warum die Zukunft von innovativen Technologien geprägt sein wird

Weiterführende Informationen finden sich im Buch von Claudia Silber und Alexandra Hildebrandt „Mobilität und Logistik: Richtige Wege, die nicht aufs Abstellgleis führen“ (Amazon, Kindle Edition 2017), das sich u.a. folgenden Fragen widmet: Welche Rahmenbedingungen und Prozesse sind nötig, um den gegenwärtigen und künftigen Herausforderungen im Bereich Mobilität und Transport gewachsen zu sein?

Warum wird die Zukunft in der Branche von innovativen Technologien geprägt sowie nachhaltig und vernetzt sein? Wie lässt sich die vorhandene Infrastruktur effizienter zu nutzen? Weshalb bedarf es dafür interdisziplinärer Ansätze entlang der logistischen Wertschöpfungsketten? Diesen und weiteren Fragen widmet sich das Buch. das außerdem einen Überblick über die historische Entwicklung der Logistik enthält sowie auf zahlreiche Nebenwege des Themas verweist, die ebenfalls berücksichtigt werden müssen, wenn es um die Zukunft der Bewegung geht.

Anregungen zu neuen Denken im Zeitalter der Digitalisierung

Zudem finden sich im Buch „Impulse zur Digitalisierung von A bis Z“ von Tobias Loitsch (Amazon, Kindle Edition 2017). Fakten, Meinungen, Hinweise & Anregungen zu neuen Denken im Zeitalter der Digitalisierung. Was beeinflusst, prägt und verändert zunehmend unser gesamtes Lebensumfeld? Selbst diejenigen, die versuchen, sich dem digitalen Wandel zu entziehen, müssen früher oder später feststellen: Es ist nicht so einfach möglich. Diese Entwicklung stellt insbesondere Unternehmen vor Herausforderungen, mit denen sie sich bisher nicht konfrontiert sahen.

Auf Jahre sicher geglaubte Geschäftsmodelle finden keine Kunden mehr, werden von neuen digitalen Mitbewerbern komplett umgekrempelt, übernommen oder verschwinden sogar völlig vom Markt. Ganze Branchen der „Old Economy“ werden von neuen digitalen Pionieren auf den Kopf gestellt. Umbrüche und Veränderungen sind grundsätzlich nichts Neues oder Ungewöhnliches, denn es gab sie schon immer in der Geschichte. Doch der Unterschied ist die Geschwindigkeit und Dynamik, mit der sich seit Jahrzehnten gewachsene Märkte innerhalb kürzester Zeit radikal wandeln können. Was das für Auswirkungen haben kann, mussten bereits einige alt eingesessene Unternehmen schmerzlich erfahren.


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