Impulse zu Mobilität und Arbeitswelten, bei über 200 KMH im ICE4

Mobilität war schon immer ein wichtiger Faktor in unserer Geschichte. Ob für Entdecker, Auswanderer oder Menschen die sich auf der nach Arbeit befanden. In frühen Zeiten einfach per Fuß, auf dem Pferd oder mit dem Schiff. Eine echte Mobilität wurde den Menschen erst mit der Erfindung der Dampflokomotive und anderen modernen Transportmitteln gegeben. Trotzdem waren Einschränkungen etwa im 19. Jahrhundert noch immer erheblich. Menschen konnten nun zwar verhältnismäßig bequem von einem Ort zum anderen reisen. Die Arbeitsmittel und Werkzeuge welche sie zur Arbeit benötigten, waren jedoch noch immer an einen festen Ort gebunden. Was nicht auf den Wagen oder in den Koffer passte, konnte nicht mitgenommen werden.

Von Haus zu Haus, von Stadt zu Stadt, von Reich zu Reich

Zur damaligen Zeit gab es auch Bedenken gegenüber Mobilität und neuer Geschwindigkeit. So schrieb Goethe im Jahr 1825 an den Berliner Oberregierungsrat Nicolovius: "Für das größte Unheil unserer Zeit, die nichts reif werden lässt, muß ich halten, dass man im nächsten Augenblick den vorhergehenden verspeist, den Tag im Tage vertut, und so immer aus der Hand in den Mund lebt, ohne irgend etwas vor sich zu bringen. Haben wir doch schon Blätter für sämtliche Tageszeiten, ein guter Kopf könnte wohl noch Eins und das Andere interpolieren. Dadurch wird alles, was ein jeder tut, treibt, dichtet, ja was er vorhat, ins Öffentliche geschleppt. Niemand darf sich freuen oder leiden, als zum Zeitvertreib der übrigen; und so springt's von Haus zu Haus, von Stadt zu Stadt, von Reich zu Reich und zuletzt von Weltteil zu Weltteil, alles veloziferisch."

Strikt getrennte Welten des Arbeitsplates und dem privaten Umfeld verschwinden

Mit der digitalen Entwicklung unserer heutigen Zeit sind aber auch die Anforderungen an die Arbeit gestiegen. Digitalisierung führt zudem zu neuen Befähigung, mehr Identifikation und Flexibilität. In Zeiten der ersten Laptops mit "UMTS Karte" wurde der Versand von E-Mails schon als "mobiles Arbeiten" betrachtet. Heute bedeutet mobiles Arbeiten, dass die im Unternehmen üblichen Arbeitsabläufe mit modernen digitalen "Tools" umgesetzt werden. Diese Werkzeuge lassen die früher strikt getrennten Welten des Arbeitsplatzes und dem privaten Umfeld immer weiter verschwinden.

Beim Arbeiten im Zug wird man nicht dauernd gestört.

ICE 4

Wie so ein „New Work“ aussehen kann und was es für die Zukunft bedeutet, dass konnten Blogger, Journalisten und Mobilitätsexperten, im ICE4 der deutschen Bahn erleben. Am 8. September ging es los. In einem ICE4 vom Hamburger Hauptbahnhof nach Kassel, war ein Wagen zur Diskussion reserviert. Denn allein das brandneue Zugmodell zeigt deutlich auf was für Möglichkeiten und Perspektiven neue Technologien schaffen können. Denn nicht nur dank des wirklich flott funktionierenden WLAN's eignet sich der Zug ideal als mobiler, moderner und effektiver Arbeitsplatz. "Sondern er bietet auch eine gewisse Ruhe zum persönlichen und konzentrierten Arbeiten." Sagt Sebastian Sooth von: DB Mindbox während Diskussion im Zug.

Neue und alte Arbeitsweisen treffen aufeinander

„Zu Hause arbeiten gibt uns Freiheit. Arbeiten im Büro gibt uns Struktur. In Cafés gibt es guten Kaffee und man trifft Gleichgesinnte. Coworking verbindet alles miteinander.“ So fasst Tobias Kremkau die verschiedenen Möglichkeiten mobilen Arbeitens zusammen. Er ist Coworking Manager des St. Oberholz in Berlin und Mitgründer des Institut für Neue Arbeit. Er kennt sich sich somit bestens in der Coworking Landsschaft aus und hat schon an vielen verschiedenen Orten in Europa in Coworking-Spaces gearbeitet. Tobias Kremkau hat dabei festgestellt, dass in vielen Unternehmen bereits ein Umdenken stattgefunden hat. Allerdings treffen oft noch neue und alte Arbeitsweisen aufeinander und das führt zu Konflikten.

Im ICE4. Austausch zu New Work mit Bloggern und Journalisten.

Freie Zeiteinteilung mittlerweile fast genauso wichtig wie die finanzielle Vergütung

Mitarbeiter sollten nach ihrer Leistung und nicht für die Anwesenheit bezahlt werden. Doch dazu muss man Mitarbeitern vertrauen. Denn flexible Arbeitszeiten, Selbständigkeit und eine freie Zeiteinteilung sind für Beschäftigte mittlerweile fast genauso wichtige Kriterien wie die finanzielle Vergütung. So wurde während der Zugfahrt mit teilweise über 200 KMH auf dem Weg nach Kassel deutlich, dass immer mehr Unternehmen ihren Angestellten frei einteilbare Arbeitsbedingungen anbieten und ein Umdenken stattfindet. In einer modernen Gesellschaft die von Wissen geprägt ist, müssen die Mitarbeiter nicht mehr zwingend immer am gleichen Platz und Ort anwesend sein um ihre Arbeiten zu erledigen.

Der Mensch bleibt immer im Mittelpunkt, trotz neuer digitaler Werkzeuge

Es geht darum, nicht Menschen durch Technologie der Digitalisierung zu ersetzen, sondern mit Hilfe der Digitalisierung eine wirkungsvolle Integration zu schaffen, denn durch Digitalisierung wird eine Freiheit ermöglicht, die es erlaubt, sich von analogen Abfolgen zu trennen und durch variable Anordnungen neue Potenziale zu schaffen. Doch bleibt der Mensch immer der Mittelpunkt und nutzt die modernen technologischen Werkzeuge um sein eigenes Umfeld zu gestalten.

Weiterführende Informationen und Literatur


Autor: Als Leiter des NeuInstituts für Technologie in Wirtschaft und Gesellschaft leistet Tobias Loitsch wissenschaftliche und praktische Unterstützung zum Aufbau digitaler Geschäftsmodelle und Prozesse. Er beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Digitalisierung, dem Wandel der Gesellschaft, Mobilität und Technologien im Zusammenhang mit Emotionaler Intelligenz. Gründer und Herausgeber von: HarmonyMinds - The Mindful Revolution.

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