Generation Alpha statt Z: Warum junge Menschen einen Neuanfang brauchen.

Wer zur Generation Z, den zwischen 1995 bis 2010 Geborenen gehört, hat erlebt, dass Träume auch platzen können. Gesucht wird deshalb das Bodenständige, klare Strukturen und Stabilität in einer Welt, die immer mehr zerfällt. Viele Studien nennen sie deshalb auch die pragmatische Generation, für die Immaterielles und Soziales genauso wichtig ist wie Partizipation. Statt Z sollte sie besser Generation Alpha heißen, weil dies ihre Suche nach positiver Freiheit besser ausdrückt.

Statt Z sollte sie besser Generation Alpha heißen

Doch was beschäftigt diese Generation? Welche Rolle spielen die Sozialen Netzwerke? Wie sieht ihr bisheriger Lebensweg aus? Was war prägend? Und was können wir vom Ende des Alphabets für neue Anfänge lernen?

Foto und Copyright: Theresa Merkel

Foto und Copyright: Theresa Merkel

Darüber sprach ich mit Theresa Merkel (Jahrgang 1999), die sich derzeit mitten in den IB Abschlussprüfungen an einer Internationalen Schule in Hong Kong befindet, wo sie einen bilingualen Schulabschluss anstrebt. Nach dem Schulabschluss möchte sie Medien und Kommunikationswissenschaften studieren. Ihre Prioritäten sind dabei Europa oder Australien.

Bis kurz vor dem iGCSE Examen, was der deutschen Mittleren Reife entspricht, war sie an einer Deutschen Schule in Hongkong, die die ab dem 3. Schuljahr (2007) besuchte. Im gleichen Jahr sind ihre Eltern und ihre jüngere Schwester aus beruflichen Gründen von Mannheim nach Hongkong umgezogen. Geboren wurde sie 1999 in Mannheim.

„Als Schülerin in Hongkong hatte ich Gelegenheiten, mich an soziale Projektwochen in Thailand und in den Philippinen zu beteiligen. In Hongkong leite ich eine Studieninitiative ‚Deutsch‘ für jüngere Mitschüler und bin aktiv an einer Gruppe beteiligt, die sich für die Ausbildung für Mädchen in Thailand einsetzt.“

Sie interessiert sich für Mode, macht gern Musik und liest viel. An sich selbst und an ihren Freunden sieht sie, „wie Apps wie Facebook und Instagram immer ein größerer Bestandteil unseres täglichen Lebens werden“. Die Blogger-Szene findet sie ebenfalls sehr spannend, vor allem weil sie selbst vielen Influencern folgt und dadurch aktiv mitbekommt, wie z.B. die Welt des Marketings und der Werbung auch in Richtung der sozialen Netzwerke wächst.

Weil nur ein Klick die Tür zu der ganzen Welt öffnet

Die Medienbranche interessiert Theresa besonders, „weil nur ein Klick die Tür zu der ganzen Welt öffnet“. Ihre Familie zog von Deutschland nach Hongkong um, als sie sieben Jahre alt war. Zu dieser Zeit hatte sie noch nicht die Möglichkeiten, die Kinder heutzutage haben, wenn sie in eine andere Stadt oder in ein anderes Land umziehen, sagt sie: „Briefe schreiben war für mich Standard, Telefonieren ein Luxus. Heute teile ich mit einem Klick mein ganzes Leben mit meiner Familie und meinen Freunden, die in der Welt verbreitet sind. Ich kann innerhalb Sekunden durch SMS oder Whatsapp Antworten auf Fragen bekommen, die früher zwei Wochen später über Luftpost erst angekommen wären.“

facebookTheresa ist auf Facebook und auf Instagram sehr aktiv. Hier teilt sie oft Bilder mit ihren Abonnenten, von denen sie derzeit 1100 hat. Instagram ermöglicht ihr, einen kleinen kreativen Ausschnitt ihres Lebens zu zeigen. Sie betont, dass auf diese Weise ein guter Einblick in einen Menschen gegeben wird, „und sich somit automatisch eine Idee der Präferenzen, Freunde, Mode, etc. dieser Person ausmalen lässt.“ Vor allem in Hongkong, wo die Sozialen Netzwerke so „in“ sind, sind viele Jugendliche aktiv auf Instagram. Für Theresa gibt es so eine Basis, auf der man andere Menschen durch ähnliche Interessen kennenlernen kann.

Andererseits muss eine Seite wie das Instagram-Profil ihrer Meinung nach nicht dem wirklichen Leben entsprechen. Merkel ist der Meinung, dass jeder nur seine besten Momente auf den sozialen Netzwerken publiziert, wodurch sich eine Art „Illusion“ gestaltet, die nicht von den Abonnenten wahrgenommen wird.

So wird ein Blogger auch wie ein Freund angesehen

instagramDurch Instagram behält sie Kontakt zu ihren Freunden, baut aber auch Beziehungen zu Menschen auf, die sie sonst niemals „getroffen“ hätte. Da sie sehr an Mode interessiert ist, folgt sie vielen Beauty Influencern, die sie zu jeder Tageszeit über ihr Smartphone aufrufen kann. Auf Instagram oder Snapchat ist sie stets informiert, was gerade „in“ ist, oder welche Produkte gerade auf dem Markt sind, und die von Bloggern empfohlen werden.

Durch diese moderne Form des Journalismus können ihrer Ansicht nach viel persönlichere Beziehungen zu den Influencern aufgebaut werden, da sich die Abonnenten persönlich angesprochen fühlen: „So wird ein Blogger auch wie ein Freund angesehen.“ Sie ist sich bewusst, dass diese „Beziehungen“ zwischen Blogger und Abonnenten auch oft ausgenutzt werden (können), um für Produkte zu werben, die beispielsweise „junge Mädchen dann kaufen, weil das Vorbild dasselbe Produkt benutzt.“

Damit auch die Generation am Ende des Alphabets immer wieder neu anfangen kann

Doch Theresa geht es um mehr – nämlich um die nachhaltige Nutzung dieser neuen kommunikativen Möglichkeiten, die uns vor allem helfen können, dringliche Themen der Gegenwart weiterzudenken und die eigene intellektuelle Produktion anzuregen, damit auch die Generation am Ende des Alphabets immer wieder neu anfangen kann.

Weitere Informationen: Generationenwechsel @: Fragmente und Momente einer Gesellschaft im Übergang. Kindle Edition 2016.


Copyright Steffi Henn

Copyright Steffi Henn

Autorin Dr. Alexandra Hildebrandt ist Nachhaltigkeitsexpertin und Wirtschaftspsychologin. Sie studierte Literaturwissenschaft, Psychologie und Buchwissenschaft. Anschließend war sie viele Jahre in oberen Führungspositionen der Wirtschaft tätig. Bis 2009 arbeitete sie als Leiterin Gesellschaftspolitik und Kommunikation bei der KarstadtQuelle AG (Arcandor). Beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) war sie von 2010 bis 2013 Mitglied der DFB-Kommission Nachhaltigkeit. Den Deutschen Industrie- und Handelskammertag unterstützte sie bei der Konzeption und Durchführung des Zertifikatslehrgangs „CSR-Manager (IHK)“. Alexandra Hildebrandt ist Sachbuchautorin, Hochschuldozentin, Herausgeberin und Mitinitiatorin der Initiative www.gesichter-der-nachhaltigkeit.de. Sie bloggt regelmäßig für die Huffington Post zu Nachhaltigkeitsthemen und ist Co-Publisherin der Zeitschrift „REVUE. Magazine for the Next Society”.

Die Erlöse aus den Büchern „Denken und Schenken“, „Gut zu wissen… wie es grüner geht: Die wichtigsten Tipps für ein bewusstes Leben“ (mit Claudia Silber) und „Circular Thinking 21.0: Wie wir die Welt wieder rund machen“ (mit Claudia Silber) gehen an den HORIZONT e.v., einem von der Schauspielerin Jutta Speidel gegründeter Verein für obdachlose Mütter und Kinder. Der gemeinnützige Verein wurde 1997 von der Schauspielerin Jutta Speidel gegründet und hilft wohnungslosen Müttern und deren Kindern schnell und unbürokratisch.

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