Der Vergleich hinkt!

Ist es förderlich für unser Glück, dass wir ständig Vergleiche ziehen oder ist es eher ein unbemerktes Hindernis um glücklich zu sein?

Wir haben gelernt aufmerksam zu vergleichen und unsere Gesellschaft fordert uns ständig auf uns so zu verhalten. Wie so oft ist dieser Vorgang auf der einen Seite sehr hilfreich, steht uns auf der anderen aber oft im Weg. Wir vergleichen Preise um nicht zu viel zu bezahlen, wir vergleichen Qualität um möglichst die beste zu erhalten, wir vergleichen Produkte um möglichst genau zu wissen, welches für uns das richtige ist. Wir vergleichen Reiseverbindungen, Bücher, Filme, Haarspray, Brötchen, Wohnungen, Prinzessinnen, Arbeitsplätze, Autos, Menschen, Berufe, Einhörner, Kleidung, Geld…

Natürlich vergleichen wir auch uns mit anderen. Hier beginnt es spannend zu werden. Wir vergleichen unsere Frisur, mit der einer Freundin oder eines Freundes, unsere Leistung mit der eines Kollegen, unsere Einkommenssituation mit der der anderen, unser Leben mit dem der Reichen, unser Auto mit dem Porsche des Nachbarn, unser Haus mit den Villen am Stadtpark, den eigenen Urlaub mit der Weltreise von Müllers und so weiter.

Warum handeln wir so? Wir wollen weiter kommen, noch mehr Ansporn für Leistung haben, noch bessere Dinge anstreben, noch besser Leben, das erreichen, was andere bereits haben. Unsere Leistungsgesellschaft fördert dieses Verhalten. Der PC, der gerade eben noch der neueste war ist jetzt bereits ein Dinosaurier im PC-Zeitalter, der Fernseher, der gerade noch super war erfüllt bereits jetzt einige Standards nicht mehr. Der Job, mit dem wir gerade noch glücklich waren, schmeckt jetzt irgendwie schal. Das Gefühl, wenn ich erst dies oder jenes erreicht habe, dann geht es mir besser macht sich breit. Müllers geht es ja auch blendend auf ihrer Weltreise, also geht es mir auch gut, wenn ich endlich eine machen kann.

Die Werbebranche wird nicht müde uns immer neue Wünsche einzuimpfen und uns zu sagen, was wir erreichen müssen um glücklich zu sein. Fröhliche Menschen erzählen uns, wie froh sie über das neue Musterhaus sind, Fitnessgurus sagen uns wie wir auszusehen haben um dazu zu gehören, Banker sagen uns wie wir unsere erste Millionen anlegen können, Bio-, Öko-, Luxus-, High Tech- und Trendprodukte werden angepriesen, die andere bereits haben und ohne diese können wir nur unglücklich sein. Also vergleichen wir und stellen verbittert fest, wie gut es anderen im Vergleich zu uns doch geht.

Genau hier liegt der Haken, wir vergleichen unsere vermeintlichen Defizite mit den Stärken und Vorteilen der anderen. Wir haben uns daran gewöhnt zu sehen, wer hat mehr als ich, wer kann etwas besser als ich, wer ist reicher, wer hat den besseren Job, den erfolgreicheren Partner, das größere Auto oder macht die bessere Figur. Getreu dem Motto: „Mein Haus, mein Auto, mein Geld“ ziehen wir Vergleiche und kommen zum Schluss, dass wir dringend noch mehr brauchen um glücklich zu werden. Die Frage, wie hilfreich ist dieses Verhalten, stellt sich nur sehr selten. Alle machen das so und dann ist das sicher auch in Ordnung.

Was würde denn geschehen, wenn ich mich mit den vielen Menschen vergleiche, die viel weniger haben als ich selbst? Wenn ich meine Stärken mit den Defiziten der anderen vergleiche, wenn mein Auto plötzlich genügt oder mein Job einfach in Ordnung ist? Was würde geschehen, wenn ich aufhöre zu vergleichen und einfach für mich selbst entscheide, was gut für mich ist? Muss ich immer ganz sicher sein, dass es nichts anderes oder besseres gibt, wenn ich doch das Gefühl habe, dass es für mich passt? Darf denn nicht auch mal etwas so sein wie es ist – und ist dann auch gut so? Schafft es Sicherheit zu vergleichen oder eher Unsicherheit?

Es würde bedeuten selbstbestimmt und verantwortungsvoll zu handeln. Die Unsicherheit zu ertragen auch mal ein paar Cent zu viel zu bezahlen und im Laden um die Ecke einkaufen zu gehen, weil es Spaß macht. Es würde bedeuten nicht immer auf dem neuesten Stand der Technik zu sein und eventuell würde es auch bedeuten zu sehen, dass es gut so ist, wie es ist. Es könnte besser sein, aber auch schlechter, wir könnten reicher sein, aber auch ärmer, wir könnten gesünder sein aber auch sehr viel kranker und wir könnten den (ungeliebten) Job haben, aber auch keinen…

Was es in jedem Fall bedeutet, wenn wir uns von diesen Zwängen ein Stück lösen, ist ein großes Stück Freiheit zu gewinnen. Wir würden unser Leben leben und nicht das der anderen. Wir würden plötzlich feststellen, dass es uns viel besser geht als den meisten anderen und dass wir eigentlich allen Grund haben zufrieden zu sein. Durch den andauernden Vergleich entsteht sehr sicher und ganz zuverlässig nur eines – Unzufriedenheit!

Die Frage die sich also stellt ist die, was vergleichen wir mit wem, wann und warum? Können wir nicht einfach sein wie wir sind? Wir sind unvergleichlich und einzigartig, wir sollten uns von Zeit zu Zeit darüber klar werden.

dirk-schaller-leipzigAutor: Dirk Schaller

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