Von „Benzinpalästen“ ins Digitalisierungszeitalter. Wie wir zukünftig an der „Tanke“ zahlen.

Tankstellen sind nicht nur reale Orte der (Auto-)Mobilität und des Konsums, sondern auch „Dritte Orte“ , die sich im Zeitalter der Digitalisierung grundlegend verändern werden. Den Fachausdruck Third Place führte der Soziologe Ray Oldenburg in „The Great Good Place“ (1999) ein: Der Dritte Ort ist neben dem eigenen Heim („Erster Ort“) und dem Arbeitsplatz („Zweiter Ort“) von Bedeutung für das Funktionieren einer Gesellschaft. Hier versammeln sich Menschen, und hier wird Öffentlichkeit hergestellt. Nicht nur Restaurants, Kneipen, Galerien, Bibliotheken, Museen, Theater oder Buchläden gehören dazu, sondern auch die gute alte „Tanke“.

Ein Ort verschiedener Funktionen und Zuschreibungen

tankstelleSie nicht nur historisch von Bedeutung, sondern auch symbolisch. Das hat Dr. Sonja Petersen in ihrem Projekt „Die Tanke. Eine Kultur- und Technikgeschichte der Tankstelle im 20. Jahrhunderts“ untersucht. So entstanden Tankstellen beispielsweise in den 1930er Jahren – 1934 wurde in Düsseldorf auch die heutige DKV EURO SERVICE GmbH + Co. KG als spezieller Service für „im Auftrage der Reichsbahn fahrende Unternehmen“ gegründet – für das Versprechen zukünftiger Automobilität und in den 1950er Jahren für das Wirtschaftswachstum allgemein. Im 20. Jahrhundert wird die Tankstelle als Ort verschiedener Funktionen und Zuschreibungen betrachtet.

Für die Wissenschaftlerin ist die Tankstelle gleichsam ein „Brennglas, um zentrale Entwicklungen des 20. Jahrhunderts zu analysieren: Den Wandel und die Veränderungen von u.a. Verkehrsinfrastruktur, Mobilität, Konsum, sozialer Konventionen, gesellschaftlicher Rollenbilder, Umweltbewusstsein und ästhetischem Zeitgeschmack.“ Die Entwicklung von den ersten Tankmöglichkeiten (z.B. durch Tankwagen, Hinterhoflagern und Bürgersteigpumpen) bildet den Anfangszeitpunkt ihrer Untersuchung, die den Zeitraum zwischen 1900 und 1980 umfasst.

Von Benzinpalästen zur Selbstbedienung

tankstellenDie erste Tankstelle „im eigentlichen Sinne“ ist 1927 gebaut worden. In den 1980er Jahren, so ihre These, fand eine erste „Schließung“ der Tankstelle als architektonischer und funktionaler Ort statt. Im Gegensatz zu den architektonisch beeindruckenden Tankstellen („Benzinpaläste“) der 1950er und 1960er Jahre setzte sich in den 1980er Jahren ein Tankstellentyp durch, der hinsichtlich seiner Funktion eine (vorläufige) Schließung (closure) erfuhr.

1980 war fast jede zweite Tankstelle eine Selbstbedienungstankstelle, an der die Autofahrer selbst ihr Benzin zapften. An ihnen wurden 80% des Treibstoffes abgesetzt. Damit begann das Ende der Bedientankstelle. Auch der Tankwart als Beruf starb allmählich aus. Wenn uns heute Geschichten wie diese heute erreichen, wirkt es, als seien sie von einer anderen Welt: Der Tankwart Karim Hasni versteht in Hamburg-Eimsbüttel im Reich des Benzingeruchs nicht nur seine Kunden, sondern weiß auch gute Geschichten zu erzählen: „Alles ist immer gleich Big Talk zwischen Ölstandprüfung und Ich-zahle-Säule-sieben.“ (DIE ZEIT, 13.10.2016)

Künftig wird alles verschwinden, was nicht anschlussfähig ist

tankstelleGeschichten wie die von Hasni fallen deshalb so sehr auf, weil sich Tankstellen inzwischen nicht nur zu Mini-Supermärkten entwickelt haben, sondern zunehmend zu „Stationen“ der Digitalisierung werden. Sie bilden eine Brücke zur Vergangenheit, die im Kopf nicht abreißen darf, weil sie unsere Identität und das gesellschaftliche Gedächtnis prägt. Dennoch muss auch die gute alte Tanke mit der Zeit gehen, denn künftig wird alles verschwinden, was nicht anschlussfähig ist.

Im Umfeld des Digitalen verändert sich heute die Art und Weise, Dinge zu tun. Der gesellschaftliche Wandel betrifft auch das Tanken und hat auch hier mit Geschäftsmodellveränderung zu tun. Dies hat eine enorme Auswirkung darauf, wie Unternehmen künftig Wertschöpfung generieren, Innovationen und Kundenbeziehungen gestalten.

Tanke digital

Über die Trends im Bereich Tank- und Servicekarten wurde vor diesem Hintergrund mit Dr. Alexander Hufnagl, Geschäftsführer DKV EURO SERVICE GmbH + Co. KG ein Interview geführt, das die DKV EURO SERVICE GmbH + Co. KG freundlicherweise für den Abdruck zur Verfügung gestellt hat:

Herr Hufnagl, wie verändert sich das bargeldlose Tanken bis 2025?

Dr. Alexander Hufnagl, Geschäftsführer DKV EURO SERVICE GmbH + Co. KG (Copyright: DKV EURO SERVICE GmbH + Co. KG)

Dr. Alexander Hufnagl, Geschäftsführer DKV EURO SERVICE GmbH + Co. KG (Copyright: DKV EURO SERVICE GmbH + Co. KG)

Dr. Alexander Hufnagl, Geschäftsführer DKV EURO SERVICE GmbH + Co. KG (Copyright: DKV EURO SERVICE GmbH + Co. KG)[/caption]

Aktuell liegen die wesentlichen Trends bei den Bezahlsystemen Chipkarte, Smartphone und Connected Vehicles – Fahrzeuge als Bezahlmedien. Daneben existieren bereits heute Software-Lösungen, die verschiedene Bezahlmedien zusammenführen. Wir rechnen fest damit, dass sich diese Trends als zusätzliche Bezahlmedien bis 2025 und darüber hinaus etablieren werden.

Wird die Karte durch andere Medien ersetzt? Welche möglicherweise und ab wann ist das möglich?

Für die Tankkarte existiert derzeit die am weitesten verbreitete Infrastruktur. Daher wird diese sicherlich nicht über Nacht abgelöst. Letztlich entscheidet jedoch der Kunde, welche Lösung er bevorzugt und es ist unsere Aufgabe, dem Kunden diese Wahlmöglichkeit zu eröffnen. Deshalb wollen wir mittelfristig von Bezahlmedien unabhängig aufgestellt sein.

Was machen alternative Antriebsstoffe mit der Karte?

Die Bedürfnisse des Kunden stehen für uns im Mittelpunkt. Dabei ist es unerheblich, ob wir ein bestehendes Akzeptanznetz (z.B. Tankstellen) um zusätzliche Leistungen wie etwa Wasserstoff – oder sogar CO₂-Kompensation durch die DKV CARD CLIMATE – erweitern oder ein gänzlich neues Akzeptanznetz aufbauen wie die Ladesäuleninfrastruktur für unsere Hybrid-Tankkarte DKV CARD +CHARGE. Denn technisch stellt die Anbindung und Abrechnung alternativer Kraftstoffe kein Problem dar. Im Falle unserer Hybrid-Tankkarte etwa erfordert sie die Erweiterung innerhalb des angeschlossenen Warenwirtschaftssystems auf zusätzliche Abrechnungseinheiten wie z.B. Ladezeiten oder Kilowattstunden.

Wird die Bezahlung in wenigen Jahren per Satelliten erfolgen?

Im Mautbereich ist die Abrechnung über Satellit seit mehreren Jahren etabliert. Somit existieren grundsätzlich auch die technischen Voraussetzungen für die Abrechnung von Tankvorgängen über Satellit.

Wir bedanken uns recht herzlich für das Gespräch Herr Dr. Hufnagl.

Leistungsspektrum zur Optimierung und Steuerung von gewerblichen Fuhrparks

Seit über 80 Jahren ist DKV Euro Service einer der führenden Mobilitätsdienstleister für das Logistik- und Transportgewerbe. Von der bargeldlosen Unterwegsversorgung an 60.000 markenübergreifenden Akzeptanzstellen bis hin zu Mautabrechnung und Mehrwertsteuerrückerstattung bietet DKV ein umfangreiches Leistungsspektrum zur Optimierung und Steuerung von gewerblichen Fuhrparks in ganz Europa. Der DKV ist Teil der DKV MOBILITY SERVICES Group mit über 800 Mitarbeitern. 2015 erwirtschaftete die Gruppe einen Umsatz von 5,8 Milliarden Euro und war in 42 Ländern tätig. Aktuell sind mehr als 2,5 Millionen DKV CARDs und On-Board Units bei über 135.000 Kunden im Einsatz. 2016 wurde die DKV CARD zum zwölften Mal in Folge als beste Marke in der Kategorie Tank- und Service-Karten ausgezeichnet.

Eco Performance Award im Rahmen der transport logistic 2017 in München

online-bewerbungBereits zum zehnten Mal wird am 8. Mai 2017 wird im Vorfeld der transport logistic 2017 der Eco Performance Award an besonders nachhaltig wirtschaftende Transportunternehmen verliehen. Hier können interessierte Unternehmen noch bis zum 31.01.2017 ihre Kurzbewerbung einreichen, um den Award und das begehrte Gütesiegel zu gewinnen. Die Kurzbewerbung besteht aus nur fünf Fragen. So können Bewerber die Jury mit relativ geringem Aufwand vom Potenzial Ihres Nachhaltigkeitskonzeptes überzeugen. Die Fachjury prüft und bewertet anschließend die eingereichten Bewerbungen und nominiert die Anwärter mit dem größten Siegerpotenzial für die Teilnahme an der Vollbewerbung.

Wissenschaftliche Begleitung durch die Universität St.Gallen

Anschließend werden drei bis fünf Bewerber eingeladen, ihr Konzept persönlich vor der Jury zu präsentieren. Die Gewinner werden im Rahmen einer Abendveranstaltung am 8. Mai 2017 in München ausgezeichnet. Gestiftet wird der Eco Performance Award als unabhängiges Gütesiegel durch den DKV Euro Service und seine Premiumpartner Knorr-Bremse und PTV Group. Der Lehrstuhl für Logistikmanagement der Universität St.Gallen übernimmt die wissenschaftliche Begleitung.


Copyright Steffi Henn

Copyright Steffi Henn

Autorin Dr. Alexandra Hildebrandt ist Nachhaltigkeitsexpertin und Wirtschaftspsychologin. Sie studierte Literaturwissenschaft, Psychologie und Buchwissenschaft. Anschließend war sie viele Jahre in oberen Führungspositionen der Wirtschaft tätig. Bis 2009 arbeitete sie als Leiterin Gesellschaftspolitik und Kommunikation bei der KarstadtQuelle AG (Arcandor). Beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) war sie von 2010 bis 2013 Mitglied der DFB-Kommission Nachhaltigkeit. Den Deutschen Industrie- und Handelskammertag unterstützte sie bei der Konzeption und Durchführung des Zertifikatslehrgangs „CSR-Manager (IHK)“. Alexandra Hildebrandt ist Sachbuchautorin, Hochschuldozentin, Herausgeberin und Mitinitiatorin der Initiative www.gesichter-der-nachhaltigkeit.de. Sie bloggt regelmäßig für die Huffington Post zu Nachhaltigkeitsthemen und ist Co-Publisherin der Zeitschrift „REVUE. Magazine for the Next Society”.

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